Keine Hilfsfristen im Rettungsdienst
Wussten Sie, dass wir in Vorarlberg keine gesetzlich definierten Hilfsfristen für den Rettungsdienst haben?
Wieso brauchen wir überhaupt Hilfsfristen?
Hilfsfristen sind ein wichtiger Qualitätsindikator im Rettungswesen: Anhand der Hilfsfristen kann die aktuelle Standortplanung optimiert und die Vorhaltung an Rettungsmittel angepasst werden. Meistens liegt die Hilfsfrist bei 80 bis 90%. Das heißt, wenn ich bei einer Hilfsfrist von 90% 100 Einsätze habe, muss ich in 90% der Fälle in dem vorgegebenen Zeitrahmen vor Ort sein.
Der Rettungsdienst wird 100 Reanimationen gerufen, dann haben 90 % eine gute Überlebenschance und 10% eher schlechtere Karten.
Natürlich sind nicht alle Einsätze Reanimationen oder andere schwere Notfälle, jedoch profitieren genau diese Patientengruppen von Hilfsfristen und deren Überprüfung auf der Einhaltung, da zwangsläufig optimalere Bedingungen für eine Vorhaltung und in weiterer Folge für das Überleben des Patienten geschaffen wird.
Leider ist diesbezüglich in Vorarlberg überhaupt nichts im Gesetz geregelt. Laut Stellungnahme der ÖVP (den Artikel findet man hier) gibt das Rote Kreuz an, im Durchschnitt in 7.9 Minuten bei einer Reanimation vor zu sein, über andere Notfälle (Schlaganfall, schwerer Verkehrsunfall, Herzinfarkt) wird keine Aussage getroffen.
Ob es sich dabei um ein Rettungsmittel handelt oder einen First Responder, welcher natürlich nicht immer vor Ort ist, wird in dieser Aussage leider nicht dargestellt. Ebenso wenig ab welchem Einsatzabschnitt diese Zeit gemessen wird.
Es macht einen deutlichen Unterschied, ob die Hilfsfrist bei Notruf-Eingang zählt oder erst bei Einsatzübernahme durch die alarmierte Fahrzeugbesatzung.
In einem modernen Rettungsgesetz wird die Hilfsfrist definiert, zudem wird definiert, ab wann die Hilfsfrist zählt. Vom Notrufeingang, der Gesprächsannahme oder ab der Alarmierung des Fahrzeuges oder, wie es auch manchmal der Fall ist, Übernahme (Status Übernommen) des Einsatzes durch die Besatzung.
Hilfsfristen sind also ein wichtiges Messinstrument im Rettungsdienst und eigentlich längst Standard für eine evidenzbasierte Standortplanung, Fahrzeugvorhaltung und Qualität im Rettungsdienst, welche transparent präsentiert werden kann. Vorarlberg hinkt da leider hinterher.

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