Die Gesundheit Vorarlberg GmbH als Chance für den Rettungsdienst
Wie heute im Artikel über die Neuausrichtung der Vorarlberger Spitalslandschaft
des ORF Vorarlberg (https://vorarlberg.orf.at/stories/3315305/)
erwähnt, wird die Gesundheitslandschaft im Allgemeinen im Land Vorarlberg
massiv umstrukturiert.
Vergessen wird hier offenbar leider wie so oft auf den Rettungsdienst. Der
Rettungsdienst in Vorarlberg wird über den Rettungsfonds Vorarlberg finanziert.
Den Kopf dieses Fonds bildet sich aus folgenden Personen gemäß § 12d
Rettungsgesetz:
Mitglied der Landesregierung (zuständig für das Hilfs- und Rettungswesen),
Vorsitzender des Kuratoriums des Rettungsfonds:
Mag. Markus Wallner, Landeshauptmann
Durch die Landesregierung entsendete Mitglieder:
Mag.a Martina Schönherr, Abt. Inneres und
Sicherheit (Ia)
Ing. Mag.a (FH) Sandra Longhi-Umlauft, Abt.
Finanzangelegenheiten (IIIa)
Durch den Vlbg. Gemeindeverband entsendete Mitglieder:
Bgm. Walter Gohm, Frastanz
Bgm. Ing. Manfred Rädler, Feldkirch
Bgm. Andreas Kresser, Hörbranz
Grundsätzlich ist jede Gemeinde selbst für die Organisation des
Rettungsdienstes zuständig, die Landesregierung hat für den Notarztdienst sorge
zu leisten.
Derzeit wurden die Rettungsdienstleistungen hauptsächlich an das Rote Kreuz,
aber auch an des Arbeiter-Samariter-Bund (nur in Feldkirch) vergeben. Die Fahrzeuge
werden derzeit hauptsächlich gebündelt in den Städten betrieben, was zu
längeren Anfahrtszeiten in die Peripherie Vorarlberg führt. Leider ist hierfür
kein Konzept zugänglich, welches die strategische Begründung für die
Standortwahl hervorhebt. Hilfsfristen wurden vermutlich nicht berücksichtigt,
denn diese Hilfsfristen gibt es in Vorarlberg bekanntermaßen im Rettungsgesetz
nicht.
Warum hier den Feuerwehren eine entscheidende Rolle zukommt
In Vorarlberg gibt es derzeit 145 Orts- und Betriebsfeuerwehren[1].
Diese Feuerwehren haben alle ein Feuerwehrhaus mit vorhandener Infrastruktur. In Admont (Steiermark) betreibt eine
Ortsfeuerwehr den Rettungs- und Krankentransport.
Die Feuerwehrhäuser sind oftmals bereits für Erweiterungen
vorgesehen, hier könnten auch Fahrzeuge des Rettungsdienstes integriert werden.
Ruheräume könnten schnell mittels Modulfertighäuser angebaut werden bzw.
teilweise auch in die vorhandene Infrastruktur integriert werden. Die Fahrzeuge
sind nun in der Peripherie und überall schnell zur Stelle. Die Gemeinden als
Vermieter erhalten die Mietkosten aus dem Rettungsfonds.
Organisation des Rettungsdienstes neu denken
Nirgends steht geschrieben, dass der Rettungsdienst von
NGO’s betrieben werden muss, in Wien wird der Rettungsdienst hauptsächlich von
der Berufsrettung Wien betrieben, in Tirol gibt es eine Rettungsdienst GmbH. Die
Schweiz organisiert die Rettungsdienste teilweise mit Angliederung und Betrieb
durch die Spitäler und auf kommunaler Ebene ergänzt durch private
Rettungsdienste.
In Deutschland betreiben viele Landkreise und Städte selbst
den Rettungsdienst, teilweise mit anderen Kreisen als Zweckverband oder in die
Feuerwehr integriert.
Brandbekämpfung und polizeiliche Aufgaben werden auch nicht an NGO’s vergeben,
warum also der Rettungsdienst, welcher sich in Österreich leider nicht
weiterentwickelt und immer noch das am schlechtesten ausgebildete Personal hat?
Gesundheit
Vorarlberg GmbH als Rettungsdienstbetreiber
Die Gesundheit Vorarlberg GmbH ist ein Dienstleister an
welchem Land, ÖGK und Landeskrankhausbetriebsgesellschaft beteiligt sind. Dies
bringt massive Vorteile, was Kostenstruktur und Transparenz betrifft.
So könnte der Rettungsdienst als gesamtes Transparent von der Gesundheit
Vorarlberg GmbH betrieben mit folgenden Vorteilen:
- Volle Kostenkontrolle: Die Träger haben
jederzeit einen Überblick über die laufenden Kosten, zudem dürften
Verhandlungen für Transportkosten einfacher werden.
- Stärkung der Gemeinden: Mieteinnahmen für die
Gemeinden, welche einen Rettungswagen beherbergen. Das Geld, welches die
Gemeinden in den Rettungsfonds zahlen, kommt somit teilweise wieder zurück an
die Gemeinden. Zudem kürzere Eintreffzeiten in der Peripherie und Stärkung des
Sicherheitsgefühls in der Bevölkerung.
- Stärkung der Ausbildung: Das Sanitäter Gesetz
lässt viel Spielraum nach oben offen, welches die Ausbildung des
Rettungsdienstpersonals betrifft und von den Organisationen (ausgenommen die
Berufsrettung Wien) eigentlich kaum ausgeschöpft wird.
Mit der Landeskrankenhausbetriebsgesellschaft bestände so die Möglichkeit, des Ausbildungsbedarf besser zu eruieren und anzupassen. Zudem wäre eine einfachere Bedarfsermittlung bei Praktikumsplätzen in den Krankenhäusern für Rettungsdienstpersonal möglich. Auch von Fortbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten in den Krankenhäusern, könnte das Rettungsdienstpersonal profitieren. - Acute Community Nurses: Die Ausbildung und
Etablierung von Acute Community Nurses, wie es sie bereits in Niederösterreich
gibt, könnte von einem gemeinsamen Träger profitieren.
- Trennung von Rettungsdienst und
Katastrophenschutz: Rettungsdienst und Katastrophenschutz werden derzeit leider
oftmals vermischt, der Katastrophenschutz gehört nicht zum Rettungsdienst,
sondern eigenständig organisiert und finanziert.
- IT und Datenschutz: Aufgrund eines gemeinsamen
Trägers können auch die IT-Ressourcen der Gesundheit Vorarlberg GmbH genutzt
werden. Die Patientendaten bleiben somit beim Land und ÖGK und
Landeskrankenhausbetriebsgesellschaft.
- Geringere Anschaffungskosten für Geräte und
Material
- Volle Eingliederung der RFL in die LWZ: Die Rettungs- und Feuerwehleitstelle wird personell vom Roten Kreuz betrieben. Die Infrastruktur gehört dem Land Vorarlberg bzw. der Landeswarnzentrale und wird von dieser auch betrieben. Es wäre somit nur logisch, die RFL, welche das Herzstück der Sicherheitsstruktur im Land Vorarlberg ist, auch personell in die Landeswarnzentrale einzugliedern.
Vorarlberg hat landschaftlich und kulturell sehr viel zu
bieten. Damit dies auch so bleibt, braucht es einen modernen und resilienten
Rettungsdienst, welcher transparent und unabhängig ist. Die demographische
Entwicklung und mangelnder finanzieller Spielraum stellen alle Beteiligten vor
große Herausforderungen, welche man nur mit Mut zur Innovation entgegentreten
kann.
[1] https://www.lfv-vorarlberg.at/home/feuerwehrindex.html
Kommentare
Kommentar veröffentlichen