Föderalismus zum Leid der Patienten oder was Deutschland und Österreich verbindet
Föderalismus zum Leid der Patienten oder was Deutschland und Österreich verbindet
Der Rettungsdienst ist in Österreich und Deutschland "leider" Ländersache. Dieser Umstand in dem föderalistischen Regierungssystem geschuldet. Mag dieses System seine Vorteile haben, so wird es im Rettungsdienst immer mehr zur Bremse.
Um zu verstehen, warum der Föderalismus hinderlich für die qualitative Weiterentwicklung des Systems ist, müssen wir uns den "Patienten Rettungsdienst" einmal genauer ansehen.
Wie siehts aus im Rettungsdienst?
Der Rettungsdienst in Vorarlberg ist genau genommen Organisationssache der Kommunen, also Gemeinden. Diese könnten auch alle einen eigenen Rettungsdienst betreiben - macht aber natürlich keinen Sinn. Der Notarztdienst wird vom Land organisiert.Somit zahlen die Kommunen in den Landesrettungsfond ein, aus welchem größtenteils die Finanzierung für den Rettungsdienst erfolgt. Es werden pauschal an die Organisationen Gelder für die rettungsdienstliche Dienstleistung und Strukturerhaltung ausbezahlt, nur ein kleiner und nicht kostendeckender Teil wird von den Krankenkassen übernommen und die Defizite von den Organisationen selbst ausgeglichen.
In Vorarlberg betreibt hauptsächlich das Rote Kreuz den bodengebundenen Rettungs- und Krankentransport. Zusätzlich ist in Feldkirch der Arbeiter Samariterbund vertreten.
In Wien beispielsweise wird hauptsächlich der Rettungsdienst durch die Magistratsabteilung 70 „Berufsrettung Wien“ betrieben in Kooperation mit anderen Hilfsorganisationen.
Übrigens: Hast du gewusst, dass Vorarlberg das älteste Landesrettungsgesetz aus dem Jahr 1979 hat?
Falls du jetzt denkst, dass Vorarlberg damit eine Vorreiterrolle hat, weil das Rettungsgesetz schon so alt ist, muss ich dich leider enttäuschen.
Leider ist das Gegenteil der Fall. Anders, als zum Beispiel in Baden-Württemberg, fehlen folgende maßgeblichen Dinge die international betrachtet Standard sind:
- Eine Hilfsfrist im Rettungsgesetz (der Wohnort darf für eine Überlebenschance nicht entscheidend sein)
- Qualitätskriterien und Audits
- Hygienestandards
- Fahrzeugausrüstungsstandards
- Auswertung der Notrufabfrage
- Erkennen und Behandeln von Tracerdiagnosen
- Richtige Zuweisung der Patienten
- Arzneimittellisten und SOP’s
- Transparente Auswertungen und Publikationen an Presse und Öffentlichkeit
- Standortdefinierung der Rettungswachen – die Fahrzeuge gehören in die Gemeinden stationiert und nicht geballt in die Städte
- Erfassung der Angeleiteten Telefonreanimationen und deren Überlebensrate
Was verbindet nun Österreich mit Deutschland in dieser Problematik?
Nun,
Deutschland ist bereits wesentlich weiter und hat doch noch viele Probleme im Rettungsdienst!
Zwar gibt es dort eine zeitgemäße, dreijährige Berufsausbildung für Notfallsanitäter und auch deutlich besser ausgestattete Fahrzeuge, jedoch macht der Föderalismus auch hier Probleme. Es gibt keine einheitliche Notrufabfrage und unterschiedliche Hilfsfristen.
Was Deutschland in dieser Situation jedoch besser macht?
Man redet darüber und erhebt Daten, misst und vergleicht Ergebnisse. Damit kann man arbeiten, besser werden, sich weiterentwickeln.
Als Kontrast wird in Österreich alles totgeschwiegen, nach dem Motto: „So schlecht sind wir ja nicht, es könnte ja schlimmer sein.“ Und falls doch mal jemand nachfragt hat man die Standardfloskel parat: ,,Wir müssen uns mit dem Verbundsystem nicht verstecken und haben eines der besten Systeme in der Welt.“
Leider liefert man auf Nachfrage keine Daten, um diese Aussage zu belegen.
Schaut euch mal die aktuelle Doku von SWR an, hier erfährt ihr spannende Fakten, welche auch bei uns durchaus von Relevanz sind und auf Österreich umgelegt werden können. Niederösterreich ist hier der positive Ausreißer, welcher auch in der Doku explizit erwähnt wird.
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