Triage im Alltag?
Triage!?
Zu Corona-Hochzeiten war in den Medien immer wieder der Begriff “Triage” zu vernehmen.
Was ist aber Triage und warum machen wir das überall schon immer?
Ja, Triage wird im Gesundheitsbereich Tag ein Tag aus gelebt. Dies ist richtig und wichtig, denn man muss in der Arztpraxis angefangen,
über den Rettungsdienst (welches Auto schicke ich zuerst wohin) und die Notaufnahme die Patienten herausfiltern, welche Menschen kritisch krank sind und sofort eine dringliche Behandlung benötigen. Deshalb kommt es zum Beispiel vor, dass ein Patient beim Hausarzt oder im Krankenhaus vor mir eine Behandlung bekommt, obwohl ich jetzt schon 30 Minuten im Wartebereich sitze.
Lasst mich ein Beispiel vorbringen:
An einem Mittwochvormittag ist in der Leitstelle wieder viel los. Der Krankentransport ist wie immer am Anschlag, die Patienten rufen teilweise an, wann sie endlich für die Fahrt nach Hause abgeholt werden.
Auch in der Notfallrettung klemmt es mal wieder, es ist Winter und daher Grippezeit. Aufgrund der strengen Hygienevorschriften bei Influenza, stehen die Autos oftmals aufgrund der im Anschluss fälligen Desinfektionsmaßnahmen länger als sonst nicht zur Verfügung. Erschwerend kommen noch die ganzen Bagatelleinsätze hinzu, auch weil es Leute gibt, die der Meinung sind, mit dem Rettungsdienst schneller im Krankenhaus behandelt zu werden, weil man keine Lust hat beim Hausarzt zu warten.
Nun klingelt das Telefon wieder in der Leitstelle, die Mitarbeiterin am Notruftelefon nimmt ihren 120 Anruf entgegen. Eine ältere Dame ruft an und sie wird nach Adresse und der Telefonnummer (Gegenkontrolle) gefragt. Mit zitternder und aufgeregter Stimme, aber freundlich, berichtet sie dann, dass ihr Mann es schon lange mit Herz hat. Er habe auch schon mehrfache Stents bekommen, heute habe er Atemnot und Brustschmerzen - wie bei dem Herzinfarkt damals. Er sei auch sehr schläfrig. Auch habe er “Herzflimmern”, welches nach genauer Rückfrage durch die Leistellenmitarbeiterin als Vorhofflimmern identifiziert wird.
Sofort werden ein NEF (Notarzteinsatzfahrzeug) und ein RTW (Rettungstransportwagen) zu der genannten Adresse geschickt. Das NEF benötigt etwas länger, da dieses vom Nachbarstützpunkt kommt. Als der RTW eintrifft, wird schnell klar, dass es sich um eine Lungenentzündung handelt. Der Patient ist hochgradig septisch, hat 40° Fieber, ein brodelndes Atemgeräusch, benötigt Sauerstoff und dringend eine intensivmedizinische Therapie. Nachdem der Notarzt eingetroffen ist, geht es mit dem Patienten in das nächstgelegene, geeignete Krankenhaus. Der Patientin wird bei der Triage als dringlich behandlungsbedürftig eingestuft, da die eingeleitete Therapie bereits erste Wirkung zeigt.
Ein 30 Jahre alter Patient im Wartebereich findet die rasche Behandlung des mit dem Notarzt eingelieferten Patienten nicht in Ordnung. Schließlich wurde auch er mit dem Rettungsdienst aufgrund seiner Bauchschmerzen seit drei Tagen und den hinzugekommenen, leichten Kopfschmerzen in die Notaufnahme gebracht und findet, er ist ebenfalls akut behandlungsbedürftig, da er ja auch mit der Rettung gekommen ist. Er findet es eine Frechheit, jetzt schon 45 Minuten warten zu müssen und macht seinem Ärger lautstark Luft.
Es ist 12.30 Uhr und der 30 Jährige Herr ist der 109. Patient des heutigen Tages in der Notaufnahme.
Ihr seht, Triage ist allgegenwärtig und wir müssen lernen, mit unseren Ressourcen im Gesundheitsbereich zielführend
umzugehen und in der Hand habt Ihr das, liebe Leserinnen und Leser!
Das Personal im Gesundheitsbereich kann am wenigsten für die aktuellen Zustände.
Beispiel Manchester Triage System (MTS)
Quelle: https://www.klinikum-westfalen.de/Inhalt/Kliniken_Zentren_Bereiche_Kooperationen/Funktionsabteilungen/Dortmund/ZNA/Manchester_Triage_System_MTS.php
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